Movie2k.to und Kinox.to: Führt das Anschauen von Filmen zur Anzeige?

Das Thema Streaming im Internet beschäftigt die IT-Branche und die Nutzer seit geraumer Zeit, und sorgt seit dem für immer wieder aufkommende Diskussionen. Nach der Schließung der Seite kino.to und den rechtlichen Problemen des Anbieters Megaupload kommen nun auch noch die Gerüchte hinzu, welche von der Gesellschaft zur Verfolgung von Urherberrechtsverletzungen (kurz GVU) derzeit verbreitet werden.

Laut der GVU ist die Nutzung einer solchen Streaming-Plattform illegal und somit auch strafbar. Doch stimmt das tatsächlich, oder versucht die GVU so nur die Nutzer von den Streaming-Seiten fern zu halten?n In der betreffenden Pressemitteilung bezieht sich die GVU auf die Aussage eines Richters des Amtsgerichtes in Leipzig.

Diese Aussage wurde jedoch nur beiläufig während eines Urteilsspruches gemacht und hat somit auch keine rechtliche Grundlage. Ähnlich sieht das auch der auf Urheberrecht spezialisierte Fachanwalt Dr. Alexander Wachs. Dieser gab vor kurzem in einem Interview mit dem Online-Portal Gulli einige weitere interessante Informationen zu dem Thema ab.

Wachs ist, wie auch viele andere Juristen der Ansicht, dass die Nutzung eines Streaming-Portals zwar in einer rechtlichen Grauzone liegt, jedoch keinesfalls als strafbar anzusehen ist. Doch selbst wenn man illegal handeln würde, hätten die Ermittlungsbehörden nahezu keine Chance, diese Straftat auch lückenlos zu beweisen. Anders sieht es laut Dr. Alexander Wachs jedoch im Zivilrecht aus. Hier würde eine sogenannte Vervielfältigung ausreichen, um strafrechtlich belangt werden zu können. Allerdings gilt auch hier, dass der Vorwurf zuerst bewiesen werden muss.

Darüber hinaus lohnt es sich für die Abmahnanwälte kaum, da der Gegenstandswert beziehungsweise die Schadensersatzforderungen viel zu gering sind. Abschließend sagte Wachs in dem Gespräch mit dem Online-Portal Gulli, dass das Anschauen von Filmen über ein Streaming-Portal auch weiterhin rechtlich ungefährlich ist, obschon man sicherlich nicht zu einhundert Prozent legal handelt. Ob man allerdings das Richtige tut, in dem man diese Inhalte nutzt ohne die Urheber dafür zu entlohnen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Gleiches gilt für die Gefahr, dass man sich bei der Nutzung eines solchen Portals bekanntlich auch Viren, Trojaner oder andere Schädlinge einfangen kann.

Quellen: stern.de, gulli.com, dr-wachs.de, gvu-online.de



  • Zum Autor
Sven Schäfer

Sven ist ausgebildeter Designer und geprüfter Online-Redakteur. Er lebt in Bochum und ist seit Anfang 2008 selbständig im Bereich Text, Design und Online-Marketing tätig. Er arbeitet als freiberuflicher Blogger und IT-Journalist für eine Vielzahl von Online-Medien, hauptsächlich im Consumer -und Elektronik-Bereich.


  • Leser-Kommentare (1)
  1. Andy
    4. Jun 2013, 21:40

    Es ist generell mehr als nur begrüssenswert, wenn man auf die massiv schädigende Wirkung von Raubkopien und der illegalen Verbreitung von geschützten Unterhaltungsmedien hinweist und ausführlich darüber informiert Im Kampf gegen den ausufernden Piraterie-Dschungel im Internet ist jede Stimme wichtig.
    Leider aber scheint sich niemand herabzulassen endlich den Stier bei den Hörnern zu packen und die wirklich wichtigen Hintergründe aufzudecken. Jene Hintergründe, die das Themengebiet umfassend ablichten und für den Leser greifbar machen.
    Vorab noch: Ich selbst bin Filmemacher und verurteile das Raubkopieren und jedwede Unterwanderungen von Urheber- oder Verwertungsrechten und Lizenzrechten ebenfalls strengstens.
    Doch: Den anhaltenden Wust an Halbwahrheiten braucht kein Mensch!
    Um hier einen endlosen Monolog zu vermeiden, hier nur ein paar Anstösse:
    1. Wie viele Personen, sagen wir von 1000, würden sich wohl keinen Porsche zulegen, wenn man diesen, wenngleich illegal, umsonst zulegen könnte? Wie viele dieser Personen davon hätten aber jemals einen Porsche gekauft?
    Natürlich ist ein gestohlenes Fahrzeug ein Verlust. Doch man sollte endlich verstehen, dass viele Menschen, gerade junge Menschen, diese illegalen Dienste nutzen, weil sie eben gratis sind. Hier entgeht der Industrie wesentlich weniger Geld, als man behauptet. Immerhin muss man festhalten, dass ein Grossteil der Menschen, welche illegale Streams sehen, nie auch nur eine müde Mark ohne diese illegalen Dienste ausgegeben hätten. Schon zu VHS-Zeiten waren Raubkopierer schädigend tätig und Raubkopien weit verbreitet. Dazu gleich mehr.
    Das führt unweigerlich zu einer Gegenfrage:
    2. Nutzt die Filmindustrie die Verschwigung dieses Fakts etwaig dazu, dass man eigene Fehler zu verstecken sucht?
    Zumindest stimmt das teilweise. Die Autorenstreiks in Tinseltown sind ein Beleg dafür. Das Drehbuch zu einem 100 Mio. Dollar Film kostet im Schnitt weniger als 2 Mio Dollar. Obwohl das Drehbuch der Grundstein eines guten, somit zugkräftigen, Films (für das zahlende Publikum) ist. Oder wie erklären Sie filmische Totalausfälle wie etwa:
    Van Helsing, Abraham Lincoln – Vampirjäger oder Cowboys vs Aliens?
    Der Verdruss der „aufrechten“ Filmfreunde rührt daher auch vom Versagen der grossen Studios her, die es nicht schaffen adequate Stoffe zu generieren. Sondern mit wilden Trailern, weit überzogenen Werbetexten und aufbrausender PR Filme als Mega-Hits anpreisen, die sich im Kino oder auf dem eigenen TV-Schirm als lahme Enten entpuppen.
    3. Man spricht nicht umsonst von FILMWERT. Hat ein Film, egal wie pompös und teuer beworben, keinen Filmwert, so wird er eben auch nur ungern vom Publikum mit hohen Zuschauer- und Verkaufzahlen belohnt. Das weckt unnötiges Interesse an illegalen Kopien.
    Zu Zeiten der VHS-Videos, obgleich auch damals von aqivalenten Schadenssummen gesprochen wurde, waren die Einnahmen der Studios hingegen noch hoch genug und die Verdienste respektabel. Im Schnitt sogar wesentlich höher als heute. Und dies sogar bei B- und C-Filmen, welche heute oftmals desaströse finanzielle Züge annhemen.
    Dies führt zu
    4. Heute verdienen rund 15 bis 20fach mehr Mitarbeiter an der Vermarktung eines Films, wie es noch in den 80ern der Fall war. Nötig sind viele dieser Posten nicht. Dies zeigt wieder eine klare Fehlwirtschaft der Filmindustrie auf.
    Synopsis:
    Will die Filmindustrie das Piratentum wirkungsvoll einschränken, dann sollte sie sich endlich wieder auf das zahlende Publikum konzentrieren. Sicherlich sind Piraten eine sehr schadhafte und nciht duldbare Sache. Doch noch immer gibt es weitaus mehr „echte“ Filmfreunde, die genügend Geld in die Kassen spülen, sofern die Produkte das rechtfertigen.
    Wir haben mit einem in mehr als 20 Staaten beachteten Pilotprojekt gezeigt, dass man sehr wohl mit unfassbar geringem Budget wirkungsvolle und ertragreiche Filme generieren kann. Und zugleich aufgezeigt, wie viel mehr finanzielle Mittel wir gebraucht hätten, hätten wir nach den 08/15 Richtlinien der grossen Studios gearbeitet.
    Denkt die Filmindustrie um, so wird dies auch der Verbaucher merken. Dann hat ein Film mit Filmwert wieder seinen Wert.

    Mit freundlichen Grüssen

    ein Andy


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